Thingvellir National Park Island | Historie und Natur an einem Ort

Thingvellir - Ein historischer Ort

Nirgendwo wird die Kontinentalbewegung besser sichtbar

 

Thingvellir church site Kirche island
Thingvellir and Skjaldbreidur
Lake Thingvallavatn
Almannagja fissure
Lake Thingvallavatn and Hveravellir
World Heritage emblem

Thingvellir ist sowohl tief im Gedächtnis der Isländer als auch in der Geschichte des Landes verwurzelt. Kurz nach dem Jahr 900 begannen die Menschen auf Island darüber nachzudenken, eine Generalversammlung für die Siedler auf Island einzuberufen. Die Gründung des isländischen Parlaments gilt daher auch als die Gründung der Nation Island, und die ersten parlamentarischen Vorgänge im Sommer 930 waren grundlegend für ein gemeinsames kulturelles Erbe und die Identität der Nation. Das Althing im Thingvellir war Islands oberste Legislative und Judikative von ihrer Gründung 930 bis zum Jahr 1262.

Logberg (der Gesetzesstein) war der zentrale Ort des Althing und eine natürliche Plattform, um Reden zu halten. Amtsantritt und Auflösung der Versammlung fanden hier statt, wo auch die Gesetze des Gesetzesrats verkündet wurden, der Kalender bestätigt und Prozesse geführt wurden, neben den Verkündungen, die die ganze Nation betrafen. Jeder, der an der Versammlung teilnahm, war berechtigt, seinen Fall mit wichtigen Themen vom Logberg aus vorzutragen.

Das Althing war Islands legislative und obere judikative Autorität für die Dauer dieses Gemeinweses bis 1262. Die exekutive Macht lag jedes Mal in der Hand der Fürsten und Parteien zu einzelnen Fällen. Dieses hat sich als ein ziemlich ausgewogenes System erwiesen, solange es ein Gleichgewicht der Kräfte gab, aber die Mängel wurden sichtbar, sobald dieses gestört war. Die letzten Jahrzehnte dieses Gemeinwesens waren gekennzeichnet durch Streitereien zwischen den Fürstenfamilien, die dazu führten, dass Island Teil der norwegischen Krone wurde. Die Exekutive wurde unter dieser neuen Führung gestärkt, während die Legislative und Judikative zunächst noch in den Händen des Althing verblieben und dann schrittweise an die norwegische und später dänische Herrschaft überging, bis der König von Dänemark 1662 absoluter Monarch von Island wurde.

Die Versammlung dauerte 2 Wochen jeden Sommer und die Menschen mussten teilweise mehrere Tage reisen, um am Althing teilzunehmen, doch normalerweise waren es gut 5000 Isländer, die sich zu diesem Treffen versammelten.

Thingvellir war Zentrum der isländischen Kultur. Jedes Jahr während der Versammlungszeit kamen die Menschen in Scharen aus dem ganzen Land nach Thingvellir, manchmal in Tausenden. Sie bauten Unterkünfte mit Wänden aus Torf, Stein und provisorischen Dächern und blieben dort in den zwei Wochen. Obwohl die Pflichten der Versammlung der Hauptgrund war, um zum Althing zu kommen, kamen auch viele andere Menschen aus unterschiedlichsten Gründen: Kaufleute, Schwertschärfer und Gerber boten ihre Arbeit und ihre Waren an, Clowns traten auf und Bierbrauer bereiteten Getränke für die Versammlungsgäste. Es wurden Neuigkeiten aus entlegenen Regionen ausgetauscht und Spiele und Feste abgehalten. Junge Leute trafen sich, um ihre Pläne zu schmieden, ein Bild der Nation zu entwerfen und sich mit Gesetzen auseinanderzusetzen. Wanderarbeiter suchten nach neuen Aufgaben und Landstreicher bettelten. Thingvellir war ein Treffpunkt für jeden auf Island und hat eine wichtige Grundlage für die Sprache und Literatur gelegt, die bis heute ein wichtiger Teil des Lebens der Menschen ist.

Im Jahr 999 oder 1000 diskutierte die isländische Legislative, welche Religion auf Island gelten sollte: Altnorwegisches Heidentum oder das Christentum. Der Gesetzessprecher Thorgeir Ljosvetningagodi, selbst heidnischer Priester und Fürst, entschied sich zugunsten des Christentums nach einem Tag und einer Nacht stiller Meditation unter einer Pelzdecke. Heiden konnten ihre Religion aber nach wie vor privat ausüben. Nach dieser Entscheidung wurde Thorgeir selbst Christ und warf die Abbilder seiner Götter in einen Wasserfall, der dafür heute Godafoss heißt, Wasserfall der Götter.

Seit der Einführung des Christentums hat es eine Kirche in Thingvellir gegeben, die heutige Kirche stammt allerdings aus dem Jahr 1859.

Der Fluss Oxara war ein wichtiger Teil von Thingvellir, seit die Versammlungen stattgefunden haben: der Fluss wurde in die Schlucht Almannagja umgeleitet, sodass die Menschen einfachen Zugang zu frischem Wasser hatte. Doch die Flut des umgeleiteten Oxara kombiniert mit der geologischen Landabsenkung machte es unausweichlich, den Gesetzesrat von seinem ursprünglichen Ort zu entfernen.

Thingvellir war ein wichtiges Symbol der nationalen Einheit in Islands Weg zur Unabhängigkeit im 19. und 20. Jahrhundert. Das letzte Althing wurde im Thingvellir im Sommer 1798 abgehalten. Nachdem die Versammlung aufgelöst worden war, war Thingvellir für einige Zeit ein sehr ruhiger Ort.

Als die europäische Unabhängigkeitsbewegung am Anfang des 19. Jahrhunderts auch in Island ankam, wurden die Sagen und die Landschaft von Thingvellir wiederbelebt. Thingvellir spielte hier als Unabhängigkeitssymbol eine wichtige Rolle in der Gesellschaft.

Das Wiedererwachen des Nationalismus führte zu einer großen Diskussion über den Ort des neuen Althing. Es gab verschiedene Meinungen dazu, doch Thingvellir wurde sofort vorgeschlagen.

Aufgrund der Treffen und Unabhängigkeitsbewegungen in Thingvellir etablierte sich Thingvellir selbst wieder als Mittelpunkt für alle Isländer, wo sie sich treffen konnten und die größten und wichtigsten Ereignisse in der Geschichte der Nation feiern konnten.

1874 wurde ein Nationalfestival zur Feier der 1000-jährigen Besiedlung von Island in Thingvellir veranstaltet. Bei dieser Gelegenheit präsentierte König Kristian IX den Isländern ihre erste Verfassung, in der dem Althing begrenzte gesetzgebende und finanzielle Macht gegeben wurde. Viele Isländer kamen nach Thingvellir, um an einem Ereignis teilzunehmen, das einen Wendepunkt im Kampf für die Unabhängigkeit markierte.

Im Sommer 1930 wurde dann ein großes Fest in Thingvellir veranstaltet, um das 1000-jährige Bestehen des Althing selbst zu feiern. Dieses Althing Festival war die erste allgemeine Feier von Isländern, an dem ein bedeutender Anteil der ganzen Nation teilnahm, ca. 30.000 bis 40.000 Menschen. Die Gründung der isländischen Republik fand ebenfall in Thingvellir statt, am 17. Juni 1944, am Geburtstag eines der Nationalhelden, Jon Sigurdsson. Die Wahl zum Präsidenten fand am Logberg statt, bei der Sveinn Bjornsson zum ersten Präsidenten des Landes gewählt wurde. Am Ende des Programms am Logberg fand die erste Kabinettssitzung der Republik statt, bei der der Präsident das Gesetz mit der Nationalflagge und dem Staatswappen bestätigte.

1974 wurde das 1100-jährige Jubiläum der Siedlung gefeiert. Am 17. Juni 1994 fanden Feierlichkeiten zum 50-jährigen Bestehen der isländischen Republik statt. 1999 wurde dann ein Festival zum 1000-jährigen Christentum auf Island veranstaltet, zu dem es eine ganze Reihe von Veranstaltungen im ganzen Land gab. Diese Feierlichkeiten endeten mit einem zweitägigen Fest in Thingvellir im Juni 2000.

Thingvellir gehört zu den meistbesuchten Orten im Land. Jedes Jahr kommen Tausende von Besuchern, um die wichtigste historische Stätte Islands kennenzulernen, die gleichzeitig auch noch so ein Wunderwerk der Natur ist.

1930 wurde Thingvellir zum Nationalpark ernannt. Ein Gesetz wurde erlassen, das Thingvellir als "einen geschützten nationalen Ort für alle Isländer, ein unbefristetes Eigentum der isländischen Nation unter dem Schutz des Parlaments, niemals zu verkaufen oder zu verpfänden" bestimmte.

Thingvellir wurde am 2. Juli 2004 für die Weltkulturerbe-Liste nominiert. Diese Nominierung beweist, dass der Ort von außergewöhnlichem allgemeinem Wert ist und daher als kultureller Ort und wegen der besonderen Natur geschützt werden sollte.

Im Sommer 2000 gab es zwei schwerwiegende Erdbeben in Südisland. Obwohl deren Ausgangspunkt 40 - 50 Kilometer südöstlich von Thingvellir lag, fielen Steine von den Wänden der Schlucht und Wasser spritzte hoch. Die Erdbeben waren eine Folge der Bewegung der eurasischen und nordamerikanischen Plattengrenzen, die durch Island verlaufen. Im Süden liegen sie nebeneinander, brechen aber in Thingvellir auseinander und das Land dazwischen senkt sich immer weiter ab. Weiter weg von den Plattengrenzen ist die Aktivität ziemlich konstant, ungefähr zwei Zentimeter im Jahr, aber in den Schluchten selbst baut sich die Spannung über einen längeren Zeitraum immer weiter auf und wird dann in einem Ausbruch freigesetzt, wenn die Grenzen der Risse erreicht sind.

Während der letzten Gletscherperiode bedeckte eine Lage Eis, mehr als 1.000 Meter dick, das Land. Trotz der Kälte gab es weit verbreitete vulkanische Aktivität unter dem Gletscher, die Tuff bildete. Einige dieser Eruptionen schmolzen durch die Gletscherdecken und mündeten in Lavaflüssen. Andere formten nur einen Hohlraum unter dem Eis und bildeten dann Palagonitberge oder lange Palagonitbergrücken.

Als die Temperaturen vor 18.000 Jahren anstiegen, begann der Gletscher zu schmelzen und schrittweise zu verschwinden. Der erste Hinweis auf den See Thingvallavatn tauchte vor 12.000 Jahren auf. Die Gletscherzunge lag in der Thingvellir Bodensenke und eine Gletscherlagune bildete sich südlich davon. Der See Thingvallavatn wurde später gebildet, als sich der Gletscher Richtung Norden zurückzog und sich das Wasser in der Bodensenke sammelte. Aus dem Gletscher kamen unterschiedlichste Arten von Palagonitbergen hervor, die durch vulkanische Aktivität unter der Eisdecke entstanden waren. Vor ungefähr 10.000 Jahren, als der Gletscher seine jetzige Position erreicht hatte, begann der Ausbruch eines Schildvulkans. Dieser führte sowohl zur Entstehung des Berges Skjaldbreidur, einer der schönsten Schildvulkane in Island, und eines Schildvulkans südlich des Berges Hrafnabjorg, aus dem die Thingvellir-Lava floss. Diese Eruption dauerte wahrscheinlich Jahrzehnte, wenn nicht sogar ein ganzes Jahrhundert.

Diese Lava sammelte trübes Gletscherwasser südlich der Thingvellir Senke. All das Wasser floss aus dem Norden durch die Lava und tauchte unterhalb wieder als klares Quellwasser auf. Die Lava des Schildvulkans südlich des Hrafnabjorgs breitete sich über einen langen Weg bis in den See aus und verschloss den Ausfluss bei Sogshorn. Dieses bedeutete, dass der Wasserspiegel anstieg, gleichzeitig aber die Wassermenge deutlich abfiel, da die Lava größeren Raum einnahm. Die Lava breitete sich über die Thingvellir-Senke aus, aber die Absenkung und Spaltentstehung ging weiter, sodass die Verwerfungen immer wieder neu entstanden. Heute kann man einen Querschnitt der Lava in den Wänden der Schluchten sehen.

Vor ungefähr 3.000 Jahren öffnete sich ein 8 Kilometer langer Riss nach einer Eruption nord-östlich von Hrafnabjorg und bildetete Thjofahraun. Die Lava verteilte sich östlich der Tindaskagi Schlucht, aber ein Teil lief auch in nordwestlicher Richtung den Hrafnabjorg. Die letzte Eruption in der Thingvellir Senke fand vor 2000 Jahren statt. Den Riss dieser Eruption liegt nun nordöstlich des Berges Hengill. Diese Lava, Nesjahraun, lief in Grafningur und der Aschekrater Sandey erhob sich vom Grund des See Thingvallavatn. Vulkanische Aktivität hat nun seit 2.000 Jahren in Thingvellir geruht, doch die Frage ist nicht ob, sondern wann es wieder losgeht.

Der See Thingvallavatn ist besonders fruchtbar und vegetationsreich, trotz der kalten Temperaturen. Ein Drittel des Grundes ist mit Vegetation bedeckt und es gibt ein großes Algen-Vorkommen. Tiefwachsende Vegetation breitet sich bis zu einer Tiefe von 10 Metern aus während höherwachsende Sorten einen großen Wachstumsgürtel bis 10 - 30 Meter Tiefe bilden. Insgesamt wurden hier vom Ufer bis in die Seemitte 150 Arten von Pflanzen und 50 Arten wirbelloser Lebewesen entdeckt.

Im See Thingvallavatn leben drei der fünf Arten Frischwasserfische, die es auf Island gibt: Bachforellen, Saiblinge und dreistachlige Stichlinge. Wahrscheinlich wurden diese Fische im See nach der Strömung der letzten Eiszeit isoliert als der Grund am südlichen Ende des Sees anstieg.

Birkenwälder sind charakteristisch für die Gegend um Thingvellir. Birken, zusammen mit Weiden, also Bäume der Heide-Familie, und die Zwergbirke verändern im Herbst das Erscheinungsbild von Thingvellir und viele Besucher kommen, um dieses Farbenspiel zu sehen.

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